Zurück in die Zukunft

100 Kilometer im neuen Renault Twingo kosten 2,60 Euro

Renault bringt seine Kleinwagen-Ikone als E-Auto zurück. Der Twingo E-Tech Electric bleibt der alten Idee treu: sympathisch, praktisch und leistbar.
Maxim Zdziarski
04.10.2026, 09:26
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Kaum ein Kleinwagen hat die 90er-Jahre so geprägt wie der Renault Twingo. Rundes Gesicht, knallige Farben, verschiebbare Rückbank und jede Menge Charme – das Rezept war simpel, aber erfolgreich. Mehr als 2,6 Millionen Exemplare der ersten Generation wurden gebaut. Unser Twingo aus dem Jahr 1996 bringt es mit seinem 1,2-Liter-Benziner auf gerade einmal 55 PS, dazu gibt es ein 5-Gang-Schaltgetriebe, Faltdach und Lavendel-Velours.

Mehr als 30 Jahre später ist der Twingo zurück – und vieles ist komplett anders. Statt dem Benziner arbeitet nun ein Elektromotor, statt Handschaltung gibt es eine Automatik und statt simpler Unterhaltung zieht ein 10,1-Zoll-Infotainmentsystem mit Google-Diensten ins Cockpit ein. Doch das Entscheidende ist geblieben: Der neue Twingo hat tatsächlich noch denselben Vibe wie früher.

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Schon optisch ist Renault ein großer Wurf gelungen. Die runden Leuchten, das freundliche Gesicht und die verspielten Details erinnern sofort an das Original, ohne dabei altmodisch zu wirken.Der neue Twingo sieht modern aus, ohne seine Vergangenheit zu verleugnen. Für uns ist er derzeit sogar eines der sympathischsten Autos am Markt.

Kleine Batterie, kleiner Verbrauch

Unser Testwagen ist der Renault Twingo E-Tech Electric Techno mit 82 PS. Der Listenpreis liegt bei 21.590 Euro, mit Sonderausstattung kommt unser "Absolut-Grüner" auf 24.500 Euro. Bereits die günstigere Evolution-Version startet bei 19.990 Euro.

Die Idee dahinter erinnert stark an den ersten Twingo: günstige Mobilität zu einem noch halbwegs erschwinglichen Preis. Renault versucht nicht, aus dem Kleinwagen einen Luxus-Stromer zu machen. Stattdessen soll er genau das sein, was ein Twingo immer war – ein unkompliziertes Auto für den Alltag. Und genau dort spielt er seine größte Stärke aus.

Im Stadtverkehr kamen wir auf einen sensationell niedrigen Realverbrauch von nur 11,3 kWh auf 100 Kilometer. Damit unterbietet der Twingo sogar den offiziellen WLTP-Wert, der laut Datenblatt zwischen 12,2 und 12,7 kWh/100 km liegt.

Rundet man auf 12 kWh auf und geht von einem günstigen Stromvertrag zu Hause aus, bei dem man 20 Cent pro kW bezahlt, kann man mit dem Twingo für 2,40 Euro rund 100 Kilometerweit fahren. Das ist übrigens günstiger als ein Einzelticket für die Wiener Öffis.

Autobahn kostet Reichweite

Auf der Autobahn sieht die Sache erwartungsgemäß anders aus. Bei konstant 110 km/h zeigte der Bordcomputer 14,5 kWh/100 km – daraus ergibt sich eine reale Reichweite von rund 180 Kilometern.

Bei 120 km/h steigt der Verbrauch bereits auf 16,8 kWh, womit ungefähr 155 Kilometer realistisch sind.

Wer den Twingo mit seiner Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h bewegt, muss mit 20,3 kWh/100 km rechnen. Dann sind noch rund 130 Kilometer drin.

Wirft man einen Blick auf den günstigsten Stromtarif der momentan erhältlich ist, kostet eine kWh 22 cent. Weil der Twingo aber nur 12 kWh verbraucht, kosten 100 Kilometer genau 2,64 Euro.

Damit wird auch schnell klar, wo sich der neue Twingo am wohlsten fühlt: in der Stadt und im urbanen Umland. Dort schafft er auch 250 Kilometer mit einer Vollladung. Für lange Autobahnetappen wurde er schlicht nicht gebaut.

Innenraum mit alter Twingo-Idee

Auch innen greift Renault eine der cleversten Ideen des Ur-Twingo wieder auf: die verschiebbare Rückbank. Beim neuen Modell lassen sich die hinteren Sitze verschieben und einzeln umklappen. Auch der Beifahrersitz kann flachgelegt werden. Damit bleibt der Twingo trotz seiner kompakten Abmessungen erstaunlich flexibel.

Im Techno gibt es zudem jede Menge Ausstattung, die man in dieser Klasse vor einigen Jahren kaum erwartet hätte: adaptiven Tempomat, digitale Rückfahrkamera, Voll-LED-Scheinwerfer, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto, Handsfree-Schlüssel sowie Google-Navigation und Google-Dienste.

Unser Testwagen hatte zusätzlich das Safety-&-Parking-Paket mit Totwinkelwarner, aktivem Lenkeingriff, Querverkehrswarner sowie Einparkhilfen vorne, hinten und seitlich samt Handsfree Parking an Bord.

Einen Schwachpunkt gibt es

Ganz ohne Kritik kommt der kleine Franzose aber nicht davon. Die Sitze bieten leider praktisch keinen Seitenhalt. Die Sitzwangen sind kaum ausgeprägt, wodurch man bereits in etwas flotter gefahrenen Kurven deutlich hin und her rutscht. Gerade weil sich der leichte Twingo durchaus flink und handlich bewegen lässt, fällt das besonders auf. Hier hätte Renault in den Sitzwangen ruhig etwas mehr Kontur spendieren dürfen.

Der Twingo ist wieder ein Twingo

Renault hat verstanden, dass man den Namen nicht einfach auf irgendeinen kleinen Stromer kleben kann. Der neue Twingo ist moderner, digitaler und elektrisch – aber seine Grundidee ist fast dieselbe geblieben. Klein, sympathisch, praktisch und vergleichsweise günstig.

Der Ur-Twingo wollte 1993 beweisen, dass ein kleines Auto nicht langweilig sein muss. Mehr als drei Jahrzehnte später versucht Renault genau dasselbe noch einmal. Und erstaunlicherweise funktioniert es.

zdz,04.10.2026, 09:26
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