Mit dem Tiggo 9 Super Hybrid bringt Chery ein neues Flaggschiff nach Österreich. Das 4,81 Meter lange SUV soll vor allem Familien ansprechen, die viel Platz, eine hochwertige Ausstattung und einen sparsamen Antrieb suchen. Und das möglichst zu einem Preis, bei dem die europäische Konkurrenz nur schwer mithalten kann.
Denn der Tiggo 9 startet in Österreich bereits bei 47.990 Euro. Dafür gibt es nicht nur einen kräftigen Plug-in-Hybrid mit Allradantrieb, sondern auch jede Menge Komfort, den man sonst nur aus der Oberklasse kennt. Und wem das noch zu wenig ist: Selbst Fußballstar Robert Lewandowski fährt als Markenbotschafter einen Tiggo 9. Doch können die deutschen Premiummarken deshalb jetzt wirklich einpacken?
Beim Antrieb setzt Chery auf einen 1,5-Liter-Turbobenziner, der gemeinsam mit Elektromotoren eine Systemleistung von 428 PS und 580 Nm Drehmoment liefert.
Damit ist der Tiggo 9 alles andere als untermotorisiert. In nur 5,4 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100. Leistung ist also mehr als ausreichend vorhanden, auch wenn der große Familien-SUV nicht unbedingt zum sportlichen Fahren einlädt. Viel interessanter ist ohnehin der Verbrauch. Und hier kann der Tiggo 9 tatsächlich überzeugen.
Die 34,5 kWh große Batterie soll laut WLTP bis zu 144 Kilometer elektrische Reichweite ermöglichen. Gemeinsam mit dem Benzinmotor verspricht Chery eine Gesamtreichweite von bis zu 1.050 Kilometern.
Auf der Autobahn kamen wir im Test auch ohne zusätzliches Aufladen der Batterie auf rund 7 Liter Benzin pro 100 Kilometer. Im Stadtverkehr waren bei normaler Fahrweise sogar rund 130 Kilometer rein elektrisch möglich.
Ist die Batterie leer, pendelte sich der Verbrauch im Stadtbetrieb bei etwa sechs Litern ein. Für ein großes SUV mit 428 PS sind das durchaus beachtliche Werte.
Chery Tiggo 9 Super Hybrid
Motor: 1,5-Liter-Turbobenziner mit Elektromotoren
Systemleistung: 428 PS / 580 Nm
Antrieb: Allrad (AWD)
0–100 km/h: 5,4 Sekunden
Batteriekapazität: 34,5 kWh
Elektrische Reichweite: bis zu 144 km (WLTP)
Gesamtreichweite: bis zu 1.050 km
Testverbrauch Autobahn: rund 7 l/100 km ohne zusätzliches Aufladen
Länge: 4,81 Meter
Kofferraumvolumen: 717 bis 2.022 Liter
Preis in Österreich: ab 47.990 Euro
Wer im Tiggo 9 Platz nimmt, dürfte zunächst überrascht sein. Denn gerade bei der Materialauswahl und Verarbeitung hinterlässt der Chinese einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck. Leder, angenehm wirkende Oberflächen und ein großzügig gestalteter Innenraum sorgen für ein Ambiente, das man in dieser Preisklasse nicht erwarten würde.
Auch bei der Ausstattung lässt sich der Tiggo nicht lumpen. Beheizte und belüftete Sitze, eine Massagefunktion und zahlreiche weitere Komfortdetails machen längere Fahrten angenehm. Besonders erfreulich: Auch die Passagiere in der zweiten Sitzreihe kommen in den Genuss von Komfortfunktionen wie der Sitzbelüftung.
Dazu gibt es einen großen, hochwertig wirkenden Bildschirm und ein weitläufiges Panorama-Glasdach, das sich sogar öffnen lässt. Gerade das sorgt für ein luftiges Raumgefühl.
Hier zeigt der Tiggo 9 seine vielleicht größte Stärke, denn für knapp 48.000 Euro bekommt man eine Innenausstattung, für die bei vielen etablierten Herstellern deutlich mehr Geld fällig wäre.
Mit 4,81 Metern Länge gehört der Tiggo 9 zu den größeren Familien-SUVs. Entsprechend großzügig fällt das Platzangebot in den ersten beiden Sitzreihen aus.
Auch beim Gepäck gibt es wenig zu meckern. Das Kofferraumvolumen reicht je nach Sitzkonfiguration von 717 (5 Sitze) bis zu 2.022 Litern.
Allerdings sollte man sich von den sieben Sitzplätzen nicht zu viel versprechen. Die dritte Sitzreihe ist nämlich eher eine Notlösung. Schon der Einstieg nach ganz hinten gestaltet sich ausgesprochen umständlich. Und wer es einmal auf die hintersten Plätze geschafft hat, wird dort nicht unbedingt längere Strecken verbringen wollen.
Für Kinder auf kurzen Fahrten mag das ausreichen. Erwachsene haben dort allerdings nichts verloren. Der Tiggo 9 ist deshalb eher ein großzügiger Fünfsitzer mit zwei zusätzlichen Notsitzen als ein vollwertiger Siebensitzer.
So überzeugend der Chery bei Platzangebot, Ausstattung und Antrieb ist, so deutlich zeigen sich beim Fahren einige Schwächen. Das Fahrwerk erinnert dabei an andere chinesische SUVs, die wir bereits gefahren sind. Kurze Stöße und kleinere Unebenheiten werden teilweise ziemlich hart an die Insassen weitergegeben. Gerade auf schlechten Straßen fehlt es an der nötigen Feinfühligkeit.
Bei höherem Tempo zeigt sich dann ein anderes Bild. Die Karosserie gerät spürbar in Bewegung, der Tiggo 9 wirkt in schnelleren Kurven schwammig. Dazu kommt eine indirekte Lenkung, die kaum Rückmeldung von der Straße liefert.
Das passt nicht ganz zu einem Fahrzeug mit 428 PS und einem Sprintwert von 5,4 Sekunden. Denn obwohl genügend Leistung vorhanden ist, kommt beim Fahren kaum sportliche Begeisterung auf. Allerdings dürfte das für viele Käufer gar nicht entscheidend sein. Der Tiggo 9 fühlt sich ohnehin dann am wohlsten, wenn man es ruhig und gelassen angehen lässt.
Auch bei der Verarbeitung gibt es trotz des insgesamt hochwertigen Eindrucks einen Kritikpunkt. Das große Panorama-Glasdach sieht zwar gut aus und lässt viel Licht in den Innenraum, machte sich bei unserem Testfahrzeug aber akustisch bemerkbar.
Bei praktisch jeder Fahrbahnunebenheit waren deutliche Knarzgeräusche zu hören. Das passt nicht zum ansonsten hochwertigen Ambiente und kann auf Dauer richtig nerven.
Probleme gab es auch mit dem Navigationssystem. Dieses wollte während unseres Tests keine GPS-Daten empfangen und war damit praktisch nicht nutzbar. Immerhin konnten wir problemlos auf Apple CarPlay und Android Auto ausweichen und die Navigation über das Smartphone erledigen.
Ob es sich dabei um ein Problem unseres Testwagens oder einen allgemeinen Softwarefehler handelt, lässt sich allerdings nicht eindeutig feststellen.
Ein Feature haben wir ebenfalls vermisst: die Matrix-LED-Scheinwerfer – die gibts beim Tiggo 9 nicht. Die LEDs können zwar automatisch auf- und abblenden, schneiden entgegenkommende Fahrzeuge bei Nacht jedoch nicht aktiv aus.
Der Chery Tiggo 9 Super Hybrid ist ein Auto, das man vor allem über sein Gesamtpaket beurteilen muss. Natürlich gibt es Schwächen. Das Fahrwerk könnte deutlich harmonischer abgestimmt sein, die Lenkung präziser und die dritte Sitzreihe verdient eigentlich nur die Bezeichnung Notsitz. Auch das knarzende Glasdach und die Probleme mit dem Navigationssystem trüben den ansonsten guten Eindruck.
Auf der anderen Seite bekommt man für 47.990 Euro ein ausgesprochen großes, hochwertig ausgestattetes Familien-SUV mit 428 PS, Allradantrieb und einem bemerkenswert sparsamen Plug-in-Hybrid.
Besonders die Materialauswahl und die zahlreichen Komfortfunktionen können überzeugen. Sitzmassage, Sitzbelüftung und ein großes Panorama-Glasdach sind in dieser Preisklasse alles andere als selbstverständlich.
Wer ein SUV mit viel Platz, reichlich Luxus und einen sparsamen Antrieb sucht, bekommt hier erstaunlich viel Auto fürs Geld. Und genau darin liegt die Stärke des großen Chery. Er muss nicht alles perfekt können, um ein interessantes Angebot zu sein.
Für Familien, die vor allem entspannt reisen möchten und nicht regelmäßig sieben vollwertige Sitzplätze benötigen, ist der Tiggo 9 jedenfalls eine Überlegung wert.