Elektroantrieb bei Minusgraden

E-Auto im Winter: Fünf Mythen halten sich hartnäckig

Weniger Reichweite, längere Ladezeiten und Probleme bei Minusgraden: Rund um Elektroautos halten sich im Winter immer noch viele Vorurteile.
08.11.2026, 07:06
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Sobald die Temperaturen sinken, tauchen auch die bekannten Diskussionen über Elektroautos wieder auf. Wie weit kommt man bei Minusgraden noch? Dauert das Laden plötzlich doppelt so lange? Und schadet die Kälte eigentlich der Batterie?

Tatsächlich haben niedrige Temperaturen Auswirkungen auf den Energieverbrauch und die Ladegeschwindigkeit. Viele Befürchtungen sind allerdings übertrieben. Der österreichische Ladeanbieter Mer Austria, der mittlerweile mehr als 100 Standorte im ganzen Land betreibt, räumt deshalb mit fünf verbreiteten Winter-Mythen auf.

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Mythos 1: Schnellladen funktioniert bei Kälte nicht

Falsch! Ganz so schlimm ist es nicht. Zwar kann eine kalte Batterie weniger Ladeleistung aufnehmen, weshalb ein Ladestopp im Winter länger dauern kann. Unmöglich wird das Schnellladen dadurch aber keineswegs.

Entscheidend ist die Temperatur des Akkus. Viele moderne Elektroautos können ihre Batterie vor einem geplanten Ladestopp automatisch aufwärmen. Diese sogenannte Vorkonditionierung hilft dabei, auch bei niedrigen Außentemperaturen eine möglichst hohe Ladeleistung zu erreichen.

Mer Austria setzt beim Ausbau seines Ladenetzes unter anderem auf Hypercharger mit bis zu 600 kW Ladeleistung je Ladepunkt. Wie viel davon tatsächlich im Akku ankommt, hängt allerdings vom jeweiligen Fahrzeug und dessen Ladefähigkeit ab.

Mythos 2: Im Winter muss der Akku immer voll sein

Wer bei Minusgraden unterwegs ist, muss sein Elektroauto nicht automatisch bei jedem Ladestopp auf 100 Prozent aufladen. Viele Hersteller empfehlen für den Alltag einen Ladebereich zwischen 20 und 80 Prozent. Das wirkt sich positiv auf die Lebensdauer der Batterie aus. Je nach Akkutyp gelten allerdings unterschiedliche Empfehlungen.

Gerade auf längeren Strecken ist es oft sinnvoller, nur so viel Energie nachzuladen, wie bis zum nächsten Ziel oder Ladestopp samt ausreichender Reserve benötigt wird. Der Grund: Bei vielen Elektroautos sinkt die Ladegeschwindigkeit mit zunehmendem Akkustand deutlich. Die letzten 20 Prozent können deshalb unverhältnismäßig viel Zeit kosten.

Mythos 3: Kälte schadet der Batterie dauerhaft

Dass Elektroautos im Winter weniger weit kommen, ist kein Geheimnis. Daraus lässt sich allerdings nicht automatisch auf einen dauerhaften Schaden am Akku schließen. Ein Teil der Energie wird benötigt, um die Batterie auf Temperatur zu bringen. Zusätzlich verbraucht die Innenraumheizung Strom. Dadurch steigt der Energiebedarf und die mögliche Reichweite sinkt.

Wie groß der Unterschied tatsächlich ausfällt, hängt vom Fahrzeugmodell, der Außentemperatur und der Fahrweise ab. Die meisten modernen E-Autos haben mittlerweile eine Wärmepumpe an Bord, die den Stromverbrauch beim Aufheizen des Innenraums im Winter nach unten drückt.

Mythos 4: Lange Strecken werden zur Lade-Odyssee

Auch die Vorstellung, dass man im Winter jede längere Fahrt mit dem Elektroauto minutiös planen muss, ist laut Mer Austria längst überholt. Das öffentliche Ladenetz in Österreich wurde in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut. Vor allem entlang wichtiger Verkehrsachsen stehen zahlreiche Schnellladestationen zur Verfügung.

Eine gewisse Ladeplanung bleibt auf längeren Strecken dennoch sinnvoll – besonders bei niedrigen Temperaturen und höherem Verbrauch. Doch auch hier haben die Fahrzeughersteller bereits intelligente Navigationssysteme entwickelt, die dank integrierter Laderoutenplanung im Hintergrund die Strecken so planen, dass man an entsprechenden Ladesäulen vorbeifährt.

Mer Austria setzt deshalb auf Ladeplätze, die sich mit Einkäufen oder Pausen verbinden lassen. Teilweise gibt es überdachte Stellplätze sowie Gastronomie und Einkaufsmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe. So kann man die Ladezeit nutzen, ohne bei Minusgraden neben dem Auto warten zu müssen.

Mythos 5: Die Heizung halbiert die Reichweite

Dass die Heizung im Winter zusätzliche Energie benötigt, stimmt natürlich. Sie ist allerdings nicht allein für den höheren Verbrauch verantwortlich. Auch die niedrige Batterietemperatur und der höhere Luftwiderstand tragen dazu bei, dass Elektroautos bei Kälte mehr Strom benötigen.

Wer möglichst effizient unterwegs sein möchte, kann mit einigen einfachen Maßnahmen Energie sparen. So benötigen Sitz- und Lenkradheizung in der Regel weniger Energie als das Aufheizen des gesamten Innenraums.

Hilfreich ist außerdem, das Auto bereits während des Ladevorgangs vorzuheizen. Dadurch wird ein Teil der benötigten Energie direkt aus dem Stromnetz bezogen, anstatt später aus der Batterie. Auf eine angenehme Innenraumtemperatur muss man deshalb nicht verzichten.

Mehr als 100 Ladestandorte in Österreich

Mer Austria baut sein öffentliches Ladenetz laufend aus und arbeitet dabei auch mit Handels- und Gastronomieunternehmen zusammen. Im Mai 2026 eröffnete das Unternehmen in Spital am Semmering seinen 100. österreichischen Standort.

Neben leistungsstarker Schnellladetechnik soll dabei vor allem das Laden im Alltag einfacher werden. Denn eines zeigt sich gerade im Winter: Entscheidend ist nicht nur, wie schnell ein Elektroauto laden kann, sondern auch, wie gut sich der Ladestopp in eine Reise oder den täglichen Ablauf integrieren lässt.

zdz, 08.11.2026, 07:06
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